Hallo Reykjavik!

Ich habe euch ja schon einen kleinen, farbintensiven Vorgeschmack auf die nördlichste Hauptstadt der Welt gegeben. Hier kommt nun der versprochene Rest.

Ich wollte schon seit langem mal nach Island. Vor einem Jahr dann hat sich heraus gestellt, dass unsere Freunde Lena und Jens so ungefähr den gleichen Gedanken hatten, weswegen wir dann spontan beschlossen haben die Reise gemeinsam anzutreten. Kleiner Spoiler: das war eine sehr gute Entscheidung (wobei ich natürlich nur für mich und die Eule sprechen kann). Also haben wir uns um die Weihnachtszeit herum mal zusammen gesetzt und mal Island-Brainstorming gemacht: Wie lange, was wollen wir so machen, welche Route sollen wir nehmen, wann sollen wir fahren? Herausgekommen sind 10 Tage, erstmal Reykjavik anschauen, dann die Westfjorde abfahren.

In 10 Tagen kann man in Island schon ne ganze Menge erleben, weswegen ich die Reiseberichte jetzt aufgeteilt habe. Nach der heutigen Vorstellung von Reykjavik wird es noch separat eine Beschreibung unserer Reiseroute durch den westlichen Teil Islands geben und ein Überlebenstraining, damit ihr auch heil wieder nach hause kommt.

Ok: Reykjavik (eigentlich Reykjavík und bedeutet Rauchbucht oder rauchende Bucht oder so), die nördlichste Hauptstadt der Welt, ganze 120.000 Einwohner. Wir haben die Route über Erlebe Island gebucht, was sich als ganz gute Idee herausgestellt hat (im Westfjorde-Post dann mehr dazu), aber in einem Punkt waren wir uns nicht so sehr einig mit den netten Reiseplanern von Erlebe Island: wie lange sollte man in Reykjavik bleiben? Als erstes wurde uns nur eine einzige Nacht zugestanden; also nachts mit dem Flieger ankommen, am nächsten Morgen das Mietauto abholen und gleich los in die Fjorde. Nun gut, Reykjavik ist wirklich sehr klein, aber immerhin eine Hauptstadt und die wollten wir uns ansehen. Und nein, uns reicht auch nicht nur ein Tag, wir wollen zwei! Lena musste schon ihre feinsten Überredungskünste anwenden, um zwei ganze Tage raus zu schlagen.

“Was wollen Sie denn da machen? Da ist doch nix! Sie werden sich furchtbar langweilen, ich kann nur abraten länger als einen Tag dort zu bleiben!”

– Dame von Erlebe Island über Reykjavik

Ok, zugegeben, Reykjavik ich ECHT ziemlich klein. Länger als einen Tag braucht man wirklich nicht, um zu mindest die Altstadt mal zu durchwandern. Aber mal ehrlich: ein Gefühl für Städte kriege ich nicht, indem ich einmal durch hetze und Häkchen in meinen Reiseführer mache. Das Schöne ist doch, wenn man ab dem zweiten (oder je nach Größe vielleicht dem dritten) Tag beginnt eine Stadt ein klein bisschen zu verstehen und einem auch mal Ecken vertraut vorkommen. Das ist natürlich bei so Winzlingen wie Reykjavik besonders einfach. Am ersten Tag hatten wir die meisten “Sights” durch und konnten am zweiten Tag ein wenig shoppen, ein wenig Kunst anschauen und die (angeblich) beste Hot Dog-Bude der Welt besuchen.

Und hier habt ihr auch (ich bitte um einen dezenten Trommelwirbel) zum ersten mal auf meinem Blog, also quasi eine birdy-Premiere: Eine Karte mit allen unten beschriebenen Punkten inklusive eines Spazierpfads! Bam! Ich bitte um anerkennendes Nicken. (Ok, war echt nicht so schwer, ich finds aber trotzdem ganz cool ;-))

Anschauen!

Ich nehme euch mit auf einen kleinen Spaziergang. Hatte ich schon erwähnt, dass Reykjavik echt klein ist? Also die Sights sind schon alle irgendwie ziemlich easy an einem Tag machbar.

Anfangen kann man z.B. beim Wikinger-Denkmal Sólfar (Sonnenfahrt; siehe unten). Es liegt in der Nähe des Hafens und ist eine Skulptur aus Edelstahl, die ein stilisiertes Wikingerschiff darstellt. Auch die Aussicht in die Bucht ist von hier aus ziemlich ansehnlich.

Wikingerschiff Sun Voyager Reykjavik Harpa Konzerthalle Reykjavik

Richtung Westen weiter am Wasser entlang steht in Sichtweite schon das architektonisch eindrucksvolle Konzertgebäude Harpa (Harfe). Offenbar ist es DAS Symbol für die überstandene Wirtschaftskrise. Island war 2008, nachdem alle größeren lokalen Banken hopps gegangen sind, ziemlich am Arsch. Praktischerweise war gerade die Harpa ein Großprojekt, das die Banker als Symbol für isländische Kunst und Fortschritt planten, ergo war da nach der Bankenpleite erstmal Baustopp – im Rohbau. Nachdem der Bau in Staatseigentum übergegangen war, beschloss man ihn doch weiter zu führen, was natürlich auf viel Kritik stieß, schließlich kostete das Häuschen schon ne ganze Stange Geld. Nun steht es aber ganz patent und nachts wild beleuchtet am Hafen und besticht ziemlich durch seine Architektur und die wabenförmige Glasfassade.

Versunkene Schiffe um Island

Einigermaßen makaber wird’s dann weiter Richtung Westen entlang des Hafens: Nach einer dort geparkten Lokomotive (warum auch immer die da steht…), befinden sich Schautafeln, auf denen die Schiffsunglücke um Island herum dargestellt sind, schön sortiert nach Jahren und Art des Schiffsunglücks (z.B. ob es brannte oder nicht). Merkwürdig? Schon irgendwie. Aber auch interessant. Notiz an mich: nie mit dem Schiff nach Island fahren…

Weiter entlang des Sculpture & Shore Walk kommt ihr an schönen bunten Lagergebäuden vorbei, in denen mittlerweile Imbisse, Lädchen und Restaurants liegen und den bunten Balkonen und Gehwegen auf der Rückseite des Icelandair Hotels.Schiffswrack Reykjavik

Der Walk biegt hier nach rechts ab und führt in den hinteren Bereich des Hafens. Da wir uns nicht übermäßig für die Schifffahrt (hehe, drei f) interessieren, haben wir uns nur noch das pittoreske Schiffwrack angesehen, das hier mitten im Feld steht und sind nicht weiter den Hafen abgelaufen.

Landakotskirkja Kirche Reykjavik

Ein bisschen zurück laufen, dann die Ægisgata hoch, kommt ihr direkt zur Dómkirkja Krists konungs (Basilika Christus der König), oder auch Landakotskirkja, der katholischen Kirche Reykjaviks. Sie ist natürlich nicht ganz so schick wie die Hallgrímskirkja, aber auch durchaus sehenswert.

Hólavallagarður Friedhof Reykjavik

Grabstein Friedhof Reykjavik

Gleich um die Ecke (wobei in Reykjavik so ziemlich alles “gleich um die Ecke” ist – falls ich es noch nicht erwähnt haben sollte: Reykjavik ist wirklich ziemlich klein), liegt der alte wild-romantische Friedhof Hólavallagarður, der einen kleinen Flanierstopp durchaus lohnt.

Am See Reykjavíkurtjörn entlang Richtung Norden findet ihr am Ende des Sees das Rathaus von Reykjavik. Ich stehe ziemlich auf begrünte Fassaden, deshalb hat es mir sehr gut gefallen, aber Nicht-Architekturliebhaber können auch einfach rein gehen und sich das große 3D-Modell von Island ansehen und vielleicht nochmal die Route der folgenden Tage durchgehen.

Wenn wir schon mal in der Gegend sind, können wir auch gleich am Platz Austurvöllur vorbei, in dessen Mitte die Statue von Jón Sigurðsson steht, der sich für die Unabhängigkeit Islands von Dänemark einsetzte. Wenig imposant, aber da wir schon mal da waren… Direkt angrenzend befinden sich auch das isländische Parlament und die Domkirche, die wir aber nicht näher in Augenschein genommen haben.

Hallgrímskirkja Hallgrimskirche Reykjavik Hallgrímskirkja Hallgrimskirche Reykjavik

Zur Halgrimskirche läuft man am besten von Norden her den Hügel rauf, entlang der Skólavörðustígur. Die Straße fand ich schon deshalb besonders nett, weil sie als riesiger Regenbogen angemalt war als wir dort waren, zur Feier der Pride Week, die kurz vor unserem Besuch statt gefunden hatte.

Die Halgrimskirche (Hallgrímskirkja) am Ende der Straße hat mich ziemlich beeindruckt. Must see! Sowohl von außen, als auch innen sehr außergewöhnlich. Die paar isländischen Kronen, um mit dem Fahrstuhl in den Glockenturm zu fahren, sind sehr gut investiert. Dort oben zieht es zwar abartig, aber man hat einen fabelhaften Blick über Reykjavik und die gesamte Bucht. Nach Norden raus ist es besonders schön, denn da kann man die bunten Dächer und Häuser der Altstadt sehen.

Das sollte erstmal an Sehenswürdigkeiten ausreichen, oder? Falls ihr am nächsten Tag noch den Wunsch nach etwas Kultur verspürt, bevor ihr die Shoppingrunde dreht, stünde hierfür nahe des Hafens noch das Museum Hafnarhús zur Verfügung. Zeitgenössische Kunst, teils sehr skurril, in einem wirklich sehr schönen Bau. In der kleinen Bibliothek kann man nach Herzenslust Bände über Kunst und Musik durchstöbern.

 

Essen!

Schon mal vorab: Das isländische Essen kann man nur genießen, wenn man Fan von Fisch und/oder Schaf ist. Ansonsten wird’s schwierig. Die haben dort halt nichts anderes… Weil wir vier Reisegefährten Fan von Fisch und Schaf sind, empfehle ich natürlich vor allem das. Nur so zur Info, nicht dass es dann später heißt “Der olle Vogel hat mich in das Restaurant geschickt und da gibt’s jetzt nur ekligen Fisch!”.

In meinem Island-Überlebenskurs werde ich euch noch ein paar Einzelheiten zur traditionellen isländischen Küche verraten, hier erstmal nur ein paar gute Lokalitäten mit leckerem essen in Reykjavik:

In der Nähe des Hafens liegt das hübsche Bio-Bistro Icelandic Fish & Chips. Was es da wohl zu essen gibt? Für isländische und reykjaviker Verhältnisse ist das Essen einigermaßen preiswert und schmeckt fabelhaft! Welchen Fisch es gerade gibt ist Glückssache, denn es wird jeden Tag frisch eingekauft, je nachdem was gerade Saison hat und so gefangen wurde. Die Räumlichkeiten teilt sich das Restaurant übrigens mit dem Volcano House, in dem man sich Filme über isländische Vulkane ansehen und ein bisschen in Vulkanasche wühlen kann (die super nervtötend unter den Fingernägeln hängen bleibt. Für immer!).

Für die volle Ladung Fisch geht ihr am besten in das Sjávarbarinn, direkt am Hafen. Das Interieur verströmt zwar eher Kantinen-Ästhetik (also den Heiratsantrag würde ich vielleicht wo anders machen), aber der Fisch ist ultrafrisch und es schmeckt ungeheuer lecker. Hier könnt ihr euch übrigens auch eine Mini-Mini-Portion Gammelhai bestellen, falls ihr euch traut. Kleiner Tipp: ist gar nicht so eklig wie man meinen könnte.

Für einen kleinen, leckeren und günstigen Snack taugen immer Hot Dogs in Island. Sehr berühmt und gehyped ist Bæjarins Beztu Pylsur, nahe dem Hafen. Sogar Bill Clinton und James Hetfield sollen hier schon Hot Dogs gegessen haben. Ja, die Hot Dogs sind sehr lecker. Nein, die besten Hot Dogs der Welt, als die sie zuweilen gehandelt werden, sind es wohl nicht. Hot Dog-Würstchen in Island sind übrigens vorwiegend aus Schaf. Nur so zur Info.

Falls ihr auf dem Weg hoch zur Hallgrimskirche eine kurze Verschnaufpause braucht, dann sei euch das Café Babalú empfohlen. Die Kuchen sind außer “reichhaltig” auch noch sehr lecker und obendrein ist es auch noch sehr gemütlich dort.

 

Einkaufen!

Wolle! WOLLE! W O L L E !!! Wooooooolleeeeeeeeeee!!!!!!!

Tschuldigung, hab kurz die Fassung verloren… Also, besonders gut kann man in Reykjavik Wolle kaufen, oder gleich fertige Wollprodukte. Die Sachen gibts irgendwie an jeder Ecke, aber besonders zahlreich in den Läden der Handknitting Association of Iceland (ja, die gibts), z.B. schräg gegenüber vom Café Babalú. Wollknäuel sind echt richtig günstig (außer Fisch so ziemlich das einzige, das in Island irgendwie günstig wäre), die Wollqualität ist klasse, aber es handelt sich teilweise um kratzige Rohwolle. Ich mag die, denn sie hält schön warm, aber is halt nicht jedermanns Sache. Die fertig gestrickten Sachen sind alle von Hand gefertigt (Handknittig Association und so…) und dementsprechend teuer. Wenn ihr nicht selbst strickt, aber einen extra warmen Norwegerpulli (oder ist es dann ein Isländerpulli?) haben wollt, dann wäre das trotzdem eine Überlegung wert.

Absolut schönen Design-Kram gibt es im KRAUM. Junge Isländische Designer verkaufen hier handgefertigtes zum anziehen und einrichten. Manches kleine Mitbringsel kann man hier auch für wenig Geld erstehen, aber prinzipiell schon echt teuer.

Im Kirsuberjatréð haben sich elf Frauen zusammengetan und eine Art Handwerkskooperative gegründet. Hier verkaufen sie in einem sehr netten kleinen Ladengeschäft Schmuck, Accessoires, Keramiken, Kunst. Sehr schön zum stöbern.

Wer sich lieber treiben lässt, kann einfach die Laugavegur entlang schlendern. Hier gibt es viele kleine und größere Läden und trotz teilweise Fußgängerzone, sucht man dankenswerterweise vergeblich nach H&M oder Zara, wie im Rest von Europas Hauptstädten (versteht mich nicht falsch, ich kaufe auch viel bei H&M und Zara ein, aber im Ausland würde ich mich auch ab und an mal über ein bisschen Abwechslung freuen).

 

Und sonst so?

Und sonst so gibts ziemlich viel, aber ich packe euch das alles kompakt in einen extra Post!

To be continued…

 

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  2 comments for “Hallo Reykjavik!

  1. uli
    04.10.2015 at 15:59

    Architektonisch erinnert’s mich ein bisschen an Ljubljana, also die neue Architektur. Ich bin ja schon voll gespannt auf die nächsten Island-Fotos 😉 obwohl ich vor Neid zergehen werde 😉

    Shoppen geht für mich ja gar nicht, Wolle kaufen hingegen immer – auch stundenlang 😉

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