Erzähl mir von… deinem ersten Konzert

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben, als du noch ein Kind warst? Wie war es als Teenager? Erzähl mal!

Larissa vom No Robots Magazine, Sabine vom fadenvogel und meine Wenigkeit tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema, drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

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Larissa ist mal wieder mit dem Thema dran und fragt nach unserem ersten Konzert. Dazu muss ich euch vermutlich erstmal erzählen, wie ich als Erwachsene so zu Musik stehe: ich bin ein bekennender Musik-Nazi. Ich kann fluchen wie ein Bierkutscher und mache das am liebsten beim Autofahren – oder über beschissene Musik. Mit ein Grund, warum ich Volksfeste absolut verachtenswert finde, sind das *Rote Pferd* und Konsorten. Ich halte meinen Musikgeschmack für ziemlich exquisit – nein, ich bin mir sicher dass er es ist! Basta!

Deshalb dachte ich, ich könnte jetzt die coole Musikkenner-Sau raus lassen und euch erzählen, dass mein erstes Konzert das Abschiedskonzert der Smashing Pumpkins in der Olympiahalle in München, im Alter von 16 Jahren war. Ich hab schon angefangen darüber zu schreiben und dann ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen (sagt man das so?): das ist ja gar nicht wahr! Ich musste noch viel weiter zurück gehen! Ich war wohl so 12 oder 13 und es waren: die Backstreet Boys! Oh Mann. Ihr habt mich ertappt…

Ok, die Backstreet Boys sind wirklich weit weniger cool als die Smashing Pumpkins. Aber ich war trotzdem große Revoluzzerin: Für das Konzert musste ich eine Chorprobe bei der gefürchteten Schwester Avita schwänzen (japp, Klosterschule). Meine Mum hatte mir eine Entschuldigung “aus familiären Gründen” geschrieben, aber irgendwie hat Schwester Avita es doch gesteckt bekommen, dass ich lieber aufs Konzert gehe, als in die Chorprobe. In irgendeiner Form sollte ich damals auch Buße tun, um weiter im Chor bleiben zu dürfen, aber ich hatte keinen Bock auf die Strafarbeit und hab einfach quittiert.

Nun, über das Konzert an sich gibt es dann auch gar nicht so viel zu erzählen. Wir waren vier Mädchen und irgendein Elternteil musste uns nach Passau fahren. Und ich weiß noch dass ich ziemlich genervt war, weil ich mir die ganze Sache nicht so chaotisch vorgestellt hatte. Bereits eine Stunde vor Einlass hatte sich eine riesige Schlange gebildet und bei Einlass wurde es dann so hektisch, dass wir in zwei Zweiergruppen getrennt wurden.

Noch bevor das Konzert wirklich los ging, kam dann ein Typ und forderte die Unmenge an Teeniemädchen auf, ihre Kuscheltiere jetzt alle auf die Bühne zu werfen. Natürlich hatte ich auch eines dabei. Es war eine Giraffe und die war für Howie D*. Anschließend kamen dann ein paar Männer mit so ner Art Schneeschaufel und schoben die ganzen liebevoll gekauften und mit Liebesbriefen bestückten Kuscheltiere von der Bühne. Da kam ich mir ein bisschen verarscht vor.

Ich und D. hatten einen relativ schlechten Platz links außen, aber in dem Moment in dem die Backstreet Boys dann auf die Bühne kamen und mit “Get Down” anfingen – Ironie des Schicksals – brachen die ersten Mädchen in den vorderen Reihen zusammen und mussten von den Unmengen an Sanis heraus geholt werden, sodass wir dann vor gehen konnten. Aber das ist tatsächlich das einzige Detail an das ich mich ansonsten erinnern kann. Die ersten paar Lieder habe ich versucht genau so aufgedreht zu sein wie alle anderen Mädchen um mich herum, aber eigentlich habe ich mich ein wenig gelangweilt. Ich habe irgendwann kapiert, dass das alles nur Playback ist, was die da machen und fand es albern.

Tja nun, also kein besonders spektakuläres erstes Konzert… Die coolen Fotos sind übringens nicht von meinem Zimmer, sondern aus dem von J*, die unsere gemeinsamen Teeniejahre wesentlich besser dokumentiert hat als ich und mich kontinuierlich mit visuellen Statements für euch versorgt. Aber mein Zimmer hat damals ganz ähnlich ausgesehen… Danke für die Fotos, liebe J*!  ;-*

 

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  4 comments for “Erzähl mir von… deinem ersten Konzert

  1. uli
    03.10.2016 at 07:44

    Ahahaha, David Hasselhoff, Backstreet Boys…. ihr seid mir Kandidaten – da war mein erstes Konzert bei der EAV (Erste Allgemeine Verunsicherung) ja wirklich cool 😉 Smashing Pumpkins kann ich allerdings nicht toppen, mein letztes war Lagwaggon.

    DIe gute Erziehung einer Klosterschule durfte ich auch genießen, allerdings hieß meine Schwester Scholastica, die mir einen Strich durch meine Ministranten-Karriere machte… Tja, man sieht was aus uns geworden ist… glg und nicht vergessen: as long as you love me, i want it that way 😉

    • 03.10.2016 at 10:24

      Scholastica! Wie gut!:-D
      Aber war trotz der einen oder anderen strengen Schwester, die einfach nicht in Rente gehen wollte, ein tolle Schule. Und Schwester Claritas war die beste Kunstlehrerin die ich je hatte!
      Aber ja, meinen Musikgeschmack könnte man erst ab 16 oder so als solchen bezeichnen. Aber hey, so war das halt damals!
      Und nicht vergessen: Ding dong, ding dong, wer steht da vor der Tür? Vielleicht ist es der Weihnachtsmann und klaut mir mein Klavier 😉 (ist das richtig?)

  2. 03.10.2016 at 10:38

    Ich finde immer noch, dass David noch schlimmer ist als Backstreet boys. Als Schülerzeitungsschülerin bin ich mal vor so nem Konzert rumgelaufen und habe Interviews mit den ganzen Mädels da gemacht. Ich war etwas irritiert, dass so viele schon vorher heulten….ah, das kann auch Take That gewesen sein. Die Erinnerungen verschwimmen. Ich glaube auch, dass ich erst später einen Musikgeschmack hatte.

    • 03.10.2016 at 11:12

      Ja, die Backstreet Boys waren für mich auch eher Ersatz für Take That, nachdem die sich aufgelöst hatten 😉
      Aber nach dem eher enttäuschenden Konzert habe ich meiner Leidenschaft für Boybands langsam aber sicher abgeschworen.

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