Hallo Lissabon!

Das ist ja mittlerweile schon fast zur Tradition geworden, dass wir an unseren Geburtstagen eine neue schöne Stadt besichtigen. 2014, März, Geburtstag Eule: Lissabon!

Oh ja, wir haben uns wirklich wirklich sehr verliebt in diese phantastische Stadt! Ein bisschen fit sollte man schon sein, denn Lissabon als hügelig zu umschreiben ist eine ziemliche Untertreibung. Wer keine Lust hat ständig bergauf/bergab zu rennen, der kann sich aber auch gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln behelfen. Ich empfehle jedoch – wie immer – schön ausgiebige Spaziergänge. Am besten nimmt man sich für jeden Tag einen Stadtteil vor, dann sieht man viel und verfällt nicht so in Hektik.

Alfama Lissabon Lisbon

Anschauen!

Die wunderbaren, hübschen Funiculars sind kleine Trambahnen und fahren teilweise an ihren Standorten immer nur den Berg rauf und wieder runter. Wer lieber Aufzug fahren möchte, nutzt die Elevadores. Sie verbinden tiefer gelegene Ebenen der Stadt mit höher gelegenen. Beide Verkehrsmittel konnten wir mit unseren Mehrtages-Tickets für den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Am beeindruckendsten ist hier sicherlich der Elevador de Santa Justa. Er liegt sehr zentral und verbindet das untere Baixa mit dem oberen Chiado. Aufgrund seiner wunderschönen, schmiedeeisernen Architektur ist der Aufzug auch bei Touristen sehr beliebt. Kleiner Tipp: die ca. 4€ Aufpreis um auf die Aussichtsplattform zu fahren haben wir uns gespart; die Aussicht von der normalen Plattform aus ist auch wunderbar und die ist schon mit drin, wenn ihr ein (Mehr-)Tagesticket habt.

Funicular Lissabon

Elevador-Santa-Justa

Ein Zufallsfund, der uns komplett begeisterte: das MUDE. Ein unglaubliches Mode- und Designmuseum nahe der Praca do Comercio, in einem ehemaligen Bankgebäude. Falls ihr die Gelegenheit habt auch eine Ausstellung im Untergeschoss zu sehen: rein da! Es ist zwar etwas stickig und miefig dort unten, aber wann hat mal sonst die Gelegenheit in einen richtigen alten Tresorraum zu gehen? Spektakulär! Vom Praca do Comercio aus hat man dann auch noch einen fabelhaften Blick auf den Tejo.

Mude 2 LissabonMude Lissabon
Comercio Lissabon

Der Stadtteil Alfama ist es auf jeden Fall wert einen Tag lang dort herum zu schlendern. Und wenn ihr euch dazu einen Dienstag oder Samstag aussucht, könnt ihr auch noch den super schönen Flohmarkt Feira da Laura (mit großartiger Aussicht!) rund um den Campo de Santa Clara besuchen. Nicht weit weg ist dann auch noch das Castelo de Sao Jorge, das aber meiner Meinung nach am schönsten rüber kommt, wenn ihr auf dem gegenüber liegenden Berg im Jardim de Sao Pedro de Alcantara im Bairro Alto steht – am besten abends und mit einem leckeren Getränk vom Kiosk im Park.

Alfama Lissabon 1

Alfama Lissabon 3

Feira da Laura

Wenn ihr am Praca do Comercio in die 15er Tram steigt und nach Belem rüber fahrt, habt ihr die Möglichkeit das wunderbare (auch wenngleich architektonisch streitbare) Museu Berardo zu besuchen, in dem moderne und zeitgenössische Kunst zu finden ist. Wer mich kennt weiß, dass ich nur bedingt bis gar kein Fan von moderner oder zeitgenössischer Kunst bin, aber die Ausstellungen hier haben mir größtenteils sehr gut gefallen! Falls ihr zufällig Sonntags in Belem seid, dann könnt ihr noch einen kleinen Spaziergang über den Flohmarkt im nahe gelegenen Jardim da Praça do Império machen. Der Torre de Belem und das Jeronimo Kloster sind auch gerne besuchte Sehenswürdigkeiten in Belem, die wir jedoch aufgrund des schlechten Wetters ausgelassen haben.

Museu Berardo Lissabon 2

Museu Berardo Lissabon

Mein heißester Lissabon-Tipp: Auf halber Strecke nach Belem liegt in der Rua Rodrigues de Faria 105 die großartige LX Factory, ein altes Fabrikgelände, in dessen Gebäuden sich wunderbare Restaurants, Modeboutiquen und Läden befinden. Besucht unbedingt den unglaublichen Buchladen Ler Devagar in einer ehemaligen Druckerei. Wenn ihr genug in den tollen Büchern gestöbert habt, könnt ihr dort noch einen Kaffee trinken oder zwischen den alten Druckerpressen lecker zu Abend essen.

Ler Devagar Lissabon 1

Ler Devagar Lissabon 2

Essen!

Geht hier unfassbar günstig! Bucht euch auf keinen Fall Frühstück im Hotel, denn in den kleinen Pastelarias und Cafés kann man sehr lecker und günstig essen. Für Kaffee, Schinken-Käse-Toast und noch ein süßes Teilchen haben wir zu zweit nie mehr als 10€ bezahlt. Zu empfehlen ist hier die Pastelaria Baixa Chiado, leicht zu finden direkt am Metro-Ausgang Baixa/Chiado auf der Baixa-Seite. Unbedingt probieren müsst ihr die Pasteis de Belem oder auch Pasteis de Nata: kleine, mit Vanillepudding gefüllte Blätterteigtörtchen. Die besten der Besten gibt es wohl (durch eine Einheimische bestätigt!) im Casa de Pasteis de Belem in – natürlich – Belem. Ich als große Süßigkeiten-Liebhaberin hätte sie so gerne probiert, aber die Schlange vor dem alten Traditionsladen war grotesk lang, was wohl nicht unüblich ist. Aber die Portugiesen sind generell Großmeister in Sachen süße Teilchen, da solltet ihr euch einfach großzügig durchprobieren.

Pasteis de Belem Lissabon

Sehr gut ein kleines Frühstück zu sich nehmen und nebenbei im kostenlosen WLan surfen kann man auch im Museumscafé des Museu Berardo. Achtung: Selbstbedienung! Und auch wenn die Baristas extrem verplant sind, lohnt es sich zu warten und die interessante und durchwachsene Kundschaft zu beobachten.

Einen netten Cocktail mit schöner Aussicht kann man im Noobai im Bairro Alto genießen, aber für einheimische Küche muss man woanders hin. Unweit des Noobai ist die verschrabbelte Casa da India in der Rua do Loreta, wo im Schaufenster auf einem riesigen Grill allerlei Meeresgetier vor sich hin brutzelt. Man kann wunderbar an der Bar sitzen, wenn man keinen Sitzplatz mehr bekommt und sich darüber amüsieren, dass der greise Kellner die Bestellung von der englischen Karte nicht verstanden hat und unsere Speisen eher nach dem Zufallsprinzip serviert wurden. Aber egal! Es hat ausgezeichnet geschmeckt!

Eine besondere Spezialität in Lissabon ist der Kabeljau. Meine selbstpersönliche Erfahrung: Kabeljau und ich werden keine Freunde… Die Konsistenz ist fragwürdig und der Geschmack eher fade (sage nur ich, die Eule fand es gut), mit Unmengen an Knoblauch geht es dann schon. Falls ihr es trotzdem probieren wollt, ist das O Bacalhoeiro in der Rua dos Sapateiros (Haltestelle Rossio) die richtige Adresse. Eine traditionelle Speise, die mich persönlich sehr begeistert hat, ist im übrigen Spanferkel!

Einkaufen!

Geht in Lissabon auch höllisch günstig! Für Second-Hand-Fans ist das A Outra Face da Lua in der Rua Assunção 22, nahe Rossio, ein Muss! Dort trifft man auch verschrobene Leute und kann sich wunderbar mit den netten Verkäufern unterhalten. Und wenn ihr eine kleine Pause vom ausgiebigen Stöbern braucht: im Laden gibt es auch ein Café! Direkt gegenüber hat der Laden noch einen Ableger mit etwas feineren Damensachen, aber auch hier lohnt es sich mal vorbei zu schauen!

Super shoppen kann man selbstverständlich auch in der LX Factory (s.o.), nur hatten wir leider das Pech, dass wir Sonntags dort waren und die meisten Läden geschlossen hatten. Trotzdem sehr gut gefallen hat mir A Showroom.

A Show Room Lissabon

Etwas kommerzieller geht es rund um die Rua Augusta zu. Muss man nicht unbedingt zum shoppen hin, denn hier ist nichts zu finden, was es nicht auch in Deutschland gäbe. Ein bisschen besser haben mir da die Läden in der Rua Garrett / Rua Nova do Almada in Chiado gefallen. Hier gibt es neben den üblichen Verdächtigen (Zara, Hugo Boss, Replay…) ein paar portugiesische und spanische Läden, die günstige Massenware á la H&M verkaufen, aber hierzulande (noch) nicht vertreten sind.

Und nun mal zu den Dingen, für die Lissabon besonders bekannt ist: Stoffe und Kacheln.

Wenn ihr jetzt nicht gerade Küche oder Bad einer Generalsanierung unterzieht und zufällig noch 30kg Freigepäck habt, fällt die Keramik-Geschichte natürlich flach. Nichts desto trotz sind die teils handbemalten Kacheln eine wahre Augenweide! Besonders auf den Flohmärkten werden z.T. sehr alte wunderschöne Stücke verkauft! Für kleine Deko- und Bastelprojekte kann man sich sicherlich das eine oder andere Teil gönnen.

Pattern Lissabon

Für alte Nähtanten wie mich sind die Straßen um die Rua da Augusta herum ein wahres Mekka! So viele Stoffläden mit einer so überwältigenden Auswahl habe ich sonst noch nie gesehen. Darüber hinaus sind die Preise auch noch richtig günstig. In der wunderschönen alt eingesessenen Casa Frazao habe ich zum Beispiel herrliche champagnerfarbene Seide für mein Brautkleid gekauft.

Casa Franzao Lissabon

Leinen Lissabon

Und sonst so?

Lissabon ist günstig! Gönnt euch ein nettes zentrales Hotel, esst auswärts und geht shoppen! Gönnt euch nachmittags einen Kaffee mit Süßkram in den Pastelarias. Lasst euch bei Cafés und Restaurants nicht vom schrabbeligen Äußeren oder dem gefliest-unterkühlten Interieur abschrecken!

Wenn ihr Abends um Rossio herum unterwegs seid, werdet ihr mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit von seltsamen Männern angequatscht. Das sind Dealer, die euch Drogen verkaufen wollen. Die sind aber ganz harmlos und in der Regel reicht es, wenn ihr sie ignoriert.

Ich habe vorher in einem Reiseführer gelesen, dass die Lissabonner zum einen kein Englisch können und zum anderen deutschen Touristen gegenüber eher unfreundlich sind. Glatte Lügen! Bis auf die wirklich greisen Kellner im Casa da India sind wir wunderbar mit Englisch durchgekommen und haben uns jeden Tag super nett mit allen möglichen Leuten unterhalten, sei es mit den Verkäufern im Outra Face oder den Museumswärtern im MUDE – jeder war super hilfsbereit und hat uns zahlreiche Ausflugs-, Restaurant- und Einkaufstipps gegeben!

Fazit

Fliegt nach Lissabon! Jetzt sofort! Oder bucht euch zu mindest jetzt sofort Tickets… Das ist mein Ernst! Los jetzt!
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  5 comments for “Hallo Lissabon!

  1. 15.01.2015 at 22:06

    Oh, das hört sich toll an! Lissabon steht ganz weit oben auf der Liste der Städte, die ich mal besichtigen will. Ich mag nur ungern in Länder fahren, in denen ich die Sprache so gar nicht spreche und die Südländer sind jetzt auch nicht gerade für ihre Englischkenntnisse bekannt. Aber wenn du sagst, dass ihr gut mit Englisch durchgekommen seid, werde ich da mal bei meiner “besseren” Hälfte Überzeugungsarbeit leisten.

    • 16.01.2015 at 10:16

      Englisch funktioniert super bei der jüngeren Generation – und alle anderen geben sich auch zu mindest Mühe! Wir hatten gar keine Probleme! Lissabon ist jetzt offiziell meine Lieblingsstadt (bis vielleicht mal eine tollere daher kommt ;-))!

    • 16.01.2015 at 12:32

      Ich glaube, wenn man Englisch und Italienisch spricht, dann kommt man schon halbwegs klar. Wir sind sogar ohne Italienisch gut zurecht gekommen. Ich glaube, da, wo wir waren, haben sogar mehr Leute Deutsch gesprochen als Englisch, aber das lag vielleicht an der Touristenregion. 😉
      Ich rate dir dann von Ungarn ab, da kann man nämlich wirklich gar nichts entziffern. 😉 (Davon abgesehen lohnt sich Budapest allerdings sehr.)

  2. 16.01.2015 at 12:33

    Bist du mit leerem Koffer runtergereist oder hast du die Kostenersparnisse beim Einkauf durch Übergepäck wett gemacht? 😉

    • 16.01.2015 at 13:13

      Ich habe mir tatsächlich noch eine zusätzliche kleine Tasche in Lissabon gekauft, die ich als Handgepäck mitgenommen habe 😉 Ansonsten die vorhandenen Taschen ordentlich voll gestopft 😀

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