Erzähl mir von… Silvester

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben, als du noch ein Kind warst? Wie war es als Teenager? Erzähl mal!

Larissa vom No Robots Magazine, Sabine vom fadenvogel und meine Wenigkeit tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema, drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

emv-titel-silvester

Silvester. Ich mags nicht. Zu viele Menschen die zu betrunken mit zu gefährlichem Zeug hantieren. Ein Silvester das mir in diesem Zusammenhang besonders in Erinnerung geblieben ist, ist das Milleniums-Silvester. Wir waren auf dem Stadtplatz im Nachbarort und es hat sich angefühlt wie ich mir Krieg vorstelle. Die Leute drehten völlig durch, überall flogen Böller in Menschengruppen, die daraufhin panisch auseinander stoben. Raketen flogen gegen die Hauswände und ergossen sich über die darunter stehenden Leute. Ein Bekannter von mir hatte einen Gehörsturz, weil ein fliegender Böller direkt neben seinem Ohr hoch gegangen ist. Grauenhaft.

Sowas habe ich später, damals schon Studentin, noch einmal in München erlebt. Wir waren in einer Wirtschaft in Schwabing und wollten Mitternacht eigentlich auf die Theresienwiese, sind jedoch viel zu spät aufgebrochen und sind zum Jahreswechsel prompt auf dem Odeonsplatz gelandet. Dort haben ein paar Intelligenzverweigerer Raketen zwischen den Arschbacken gestartet. Kann man ja nicht ahnen, dass das evtl. heiß und schmerzhaft werden könnte. Folglich sind die dann schreiend los gerannt, mit Rakete am hintern, die Raketen fielen heraus und stoben in die Menschenmenge.

emv-nymphenburg-lensflare

Aber eigentlich will ich gar nicht über diese traumatischen Silvestererlebnisse schreiben sondern über ein ganz besonderes, an das ich mich noch ganz gut erinnern kann. Wir waren vermutlich um die 14 oder 15, es muss also Silvester 97/98 oder 98/99 gewesen sein. J*s Eltern feierten eine Hausparty auf der auch viele Eltern unserer Freunde waren und auch J*s Onkel und Tante. Wir Teenies waren wohl zu sechst und hatten aus irgendeinem Grund beschlossen Anzug und Krawatte zu tragen. Wir zogen in den Stunden vor Mitternacht um die Häuser, tranken heimlich Sekt und Jackie Cola aus Dosen, klingelten an Häusern, sangen Lieder und bekamen ein paar Mark dafür. Fragt mich nicht wie wir auf diese Idee gekommen sind und warum wir das gemacht haben… Außerdem warfen wir Böller in Gullischächte und amüsierten und köstlich über den Dumpfen unterirdischen Knall. Ich glaube wir haben es damals auch für eine sehr lustige Idee gehalten welche in Postkästen zu werfen, bis uns aufgegangen ist, dass wir damit evtl. die Post von Leuten sprengen. Dann hatten wir ein schlechtes Gewissen, hörten damit auf und sprachen nicht mehr darüber.

Was genau wir zu Mitternacht taten weiß ich nicht mehr so genau. Aber anschließend gingen wir hinunter in den Partykeller von J*s Eltern, legten unsere CDs ein und tanzten, hatten nen mörder Spaß! Bis J*s Dad herunter kam. Die meisten Gäste waren schon weg, nur noch unser aller Eltern waren da und J*s Papa wollte den Jungen Leuten unbedingt mal zeigen was “richtige” Musik ist. Man muss ihm zugute halten, dass er zu diesem Zeitpunkt auch schon gut einen über den Durst getrunken hatte. Jedenfalls machte er unsere Musik aus und legte seine geliebten Rolling Stones auf, was zu dem Ergebnis führte, dass er anschließend allein zu den Stones im Partykeller tanzte und wir wieder gingen. Irgendwann ist dann J*s Mum runter und hat ihrem Gatten die Leviten gelesen.

emv-kerzen

Das war eine meiner liebsten Silvestererinnerungen. Später werden die Silvester dann kompliziert und sind mit einem gewissen Feierdruck belegt. Die beste Party, die meisten Freunde, geplant Wochen im voraus. Mittlerweile will ich eigentlich nur noch einen gemütlichen Abend mit Freunden verbringen. Nach fast 20 Jahren habe ich den gestrigen Silvesterabend wieder mit J* verbracht. Und mit ihrem Mann, meinem Mann, ihrem kleinen Jungen und unseren Freunden S* und G*. Raclette, Fondue (erst richtig geil in der Kombination) und ohne Feuerwerk, denn in München Neuhausen/Maxvorstadt hing um Mitternacht ein Nebel, der mich kurz an die Zombie-Apokalypse denken ließ. Die blieb dann Gott sein Dank aus.

(((Wobei… nachdem ich heute noch gar nicht draußen war, kann ich das gar nicht so genau sagen… Hallo liebe Leser? Gibts euch noch oder esst ihr schon Gehirne?)))

 

Follow my blog with Bloglovin

  3 comments for “Erzähl mir von… Silvester

  1. 01.01.2017 at 15:43

    Kann ich alles absolut nachvollziehen. Mein liebstes Silvester war aber, als ich mit meinem Mann in einer fremden Stadt zu einer sehr altmodischen Tanzveranstaltung gingen. Ohne jemanden. Nur mit uns. Das geht jetzt nicht mehr, aber in 10-15 Jahren werde ich ihm das wieder vorschlagen.

    • 01.01.2017 at 16:22

      Ja, old folk’s Silvester sind die besten 😀

  2. Uli
    02.01.2017 at 17:39

    Ich mag ja Silvester nicht soooo, ich bin da immer sehr emotional. Feiertechnisch sind mir meistens zu viele und zu gut aufgelegte Menschen auf einem Haufen und es ist laut. Mein geschichtsträchtigstes Silvester war vor 20 Jahren und begann mit Kotzen im Auto der Mutter meiner Freundin und endete mit Perücke und T-shirt am Würstlstand – die Perücke hatte ich schon beim Kotzen auf und dann irgendwie vergessen… Wie du siehst ich bin ein gebranntes Kind 🙂 Ein gutes neus und vor allem gesundes Jahr für dich und Herrn Eule!

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *