Erzähl mir von… deinen Teenager-Träumen

Alle wollen vorwärts kommen. Zukunft, Kind, Karriereplan. Immer geht es um das Morgen. Aber wie war dein Leben, als du noch ein Kind warst? Wie war es als Teenager? Erzähl mal!

Larissa vom No Robots Magazine, Sabine vom fadenvogel und meine Wenigkeit tauschen jeden ersten Sonntag im Monat Erinnerungsstücke aus. Ein Thema, drei unterschiedliche Texte, drei unterschiedliche Frauen, drei unterschiedliche Leben.

Träume Titel

Wir sind jetzt schon im dritten Monat unserer “Erzähl mir von”-Reihe und für das heutige Thema war ich diesmal mit der Auswahl dran. Ich hab aber ein bisschen gemogelt, denn das Thema ist nicht so richtig von mir, aber immerhin aus der Familie: es stammt von meiner Cousine Diana. Sie ist gerade 18 geworden, also noch ein waschechter Teenager, und besuchte uns kürzlich in München. Und da packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und habe sie gefragt, was sie denn interessieren würde von ihrer steinalten Cousine über ihre Teenagerzeit zu erfahren. Und hier sitze ich nun, meine Teenagerträume resümierend. Was davon ist in Erfüllung gegangen, was nicht? Kleiner Spoiler: auf irgendeine verquere Weise sind irgendwie alle in Erfüllung gegangen…

 

… die große Liebe finden – check

Ok, ein sehr simpler Traum, denkt ihr jetzt. Aber für mich damals gar nicht so selbstverständlich. Ich war als Teenager nicht so die Granate: Erst hörte ich auf zu wachsen und bekam stattdessen ein famoses Akneproblem und dann trug ich auch noch meine komplette (!) Teenagerzeit hindurch eine feste Zahnspange. Mein deshalb mangelndes Selbstbewusstsein glich ich meist mit schrillen Klamotten und/oder Frisuren aus. Also alles in allem nicht so die Traumfrau für pubertierende Teenagerjungs.

Vermutlich war ich damals eigentlich völlig ok so wie ich war, aber wenn man sich selbst nicht so mag, dann strahlt man das auch nach außen so aus. Und alle Jungs die ich toll fand, waren nach kurzer Zeit mit einer meiner Freundinnen zusammen; nie mit mir. Das waren echt deprimierende Zeiten… Ich träumte wirklich sehr verzweifelt davon einfach einen festen Freund zu haben; jemand, der mich so mag wie ich bin. Nachdem mein armes Herz gefühlt 5.000 mal gebrochen worden war, hatte ich die Hoffnung eigentlich schon aufgegeben. Ja, jetzt hört doch mal auf zu kichern, so dramatisch fühlt man Sachen eben als Teenager!

Das änderte sich erst als ich 16 war und meinen ersten echten festen Freund hatte (nicht nur irgendwelche Alibi-Typen die mich zufällig gut fanden und man dann eben halt miteinander geht). Plötzlich merkte ich, dass ich gar nicht so falsch sein konnte, wenn dieser ultracoole, ältere Typ auf mich stand. Und ab da erregte ich dann plötzlich auch die Aufmerksamkeit der anderen männlichen Altersgenossen (was dann natürlich voll zu spät war, denn da hatte ich ja schon einen Freund – ihr Arschgeigen!).

Ihr seht also: aus Sicht meines vor-16-jährigen Teenager-Ichs, war mir nach einem einsamen Leben ein Tod als alte Jungfer beschieden. Viele Jahre später lernte ich dann unter extrem romantischen Umständen (*hüstel* im Internet *hüstel*) Herrn Eule kennen und mein Teenager-Ich konnte einen dicken Haken hinter die “Liebe fürs Leben” machen.

 

… irgendwas mit Kunst, Mode und/oder Schreiben machen – halbcheck

So ungefähr könnte man meinen Berufswunsch als Teenager grob umfassen. Ich male, zeichne und bastle schon mein Leben lang. Sobald ich einen Stift halten konnte, malte ich drauf los (manchmal auch mit dem Lippenstift meiner Mama auf die schönen weißen Flurwände). Sobald ich eine Schere verletzungsfrei bedienen konnte, fing ich an zu basteln. Ich häkelte im zarten Alter von sieben Jahren fancy Abendroben für meine Barbies und nähte mit elf mein erstes T-Shirt. Zugegeben, es war hässlich und unvorteilhaft, aber es war selbst gemacht, also trug ich es auch.

Und ich schrieb: Aufsätze, die meinen Deutschlehrern Tränen der Ergriffenheit abrangen und Artikel für die Schülerzeitung, zwei Jahre lang sogar als Co-Chefredakteurin. Kathi und ich verhalfen der Schülerzeitung zu neuem Glanz, erreichten bis dahin ungeahnte Auflagenstärken, mit neuem Layout und Computerbenutzung statt zusammengeklebten Zettelchen.

Für meine Familie war also klar, ich würde irgendwas mit Kunst oder Mode machen und meine Deutschlehrer beknieten mich, eine Karriere als Journalistin anzustreben.  Ich bin nichts von alldem geworden. Traum also gescheitert? Irgendwie ja, irgendwie nein. Ich habe meine einstigen und immernoch vorhandenen Passionen nicht zum Beruf gemacht, aber das musste ich vielleicht auch gar nicht.

Hochzeitsblumen

Ich schreibe immernoch (oder wieder). Hier und jetzt. Du liest gerade meinen Text. Ich blogge. Das ist zwar kein Journalismus im professionellen Sinne, aber immerhin ist es artverwandt. Ich schreibe so wie ich bock habe. Und ab und an mal verbinde ich das Schreiben auch mit dem Zeichnen (wie z.B. bei meinem Beitrag für die erste Ausgabe des No Robots Magazine oder das Titelbild zu diesem Beitrag) oder meiner Liebe zum Selbstgemachten, indem ich euch an diversen Projekten teilhaben lasse. Seit kurzem bin ich nebenher DIY-Expertin bei Miss Made It und kann meine Bastelleidenschaft damit noch ungehemmter ausleben. Und auch das Nähen ist immernoch eine meiner größten Leidenschaften. Mein Brautkleid habe ich selbst genäht (und würde es nie wieder tun ;-)).

… eine berühmte Sängerin werden – nope

Kennt ihr meinen einen total bekannten Song? Der, mit dem ich die Charts im Sturm erobert habe und seit dem ich locker die größten Arenen weltweit fülle? Nein? Liegt wohl daran, dass ich keinen hatte… Ich bin zwar nicht gerade Adele, aber meine Singstimme ist ganz passabel und ich war bis Anfang 20 in diversen Bands (eine davon probte übrigens im Keller der Kirche in der Sabine geheiratet hat 😉 ). Heute singe ich immernoch gerne, aber statt auf großen Bühnen nur käsige Duette mit Hr. Eule im Auto oder beim Gemüse schnippeln in meiner Küche. Unter der Dusche singe ich übrigens nicht.

Aber der Plan war eigentlich ein anderer. Hach, was habe ich mir damals ausgemalt: ich, der Irrwisch, der über die Bühne fegt und die Menschen jubeln mir zu und singen jedes Wort mit und ich berühre sie mit meinen Liedern im Innersten ihrer Seelen…

Nope, sorry Teenie-birdy! Wird leider nix draus. Ist aber auch ganz ok, mach dir nichts draus, denn der Rest ist sonst ganz geil gelaufen für dich.

Was für Hoffnungen und Träume hattet ihr? Welche sind in Erfüllung gegangen? Welche nicht? Welchen trauert ihr noch ein wenig hinterher?

 

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  4 comments for “Erzähl mir von… deinen Teenager-Träumen

  1. 04.09.2016 at 16:43

    Hm, ich hab erst mit über 20 aufgehört zu wachsen und hatte noch viel später als du meinen ersten Freund. Wie man’s macht, man macht es falsch. 😦

    • 04.09.2016 at 16:54

      Oder, von der positiven Seite betrachtet: man macht alles richtig weil es kein falsch gibt 😉

  2. 04.09.2016 at 19:55

    Du warst in der Kirche im Westend mit Anfang 20 beim Proben? Krass! Total schöner Text. Ich konnte richtig mitleben. Danke!

    • 04.09.2016 at 20:46

      Japp, im Keller unter der Treppe 😀 Wir haben Don’t Look Back in Anger und Cats and the Cradle geübt und Zombie.

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