DIY – blitzschneller Jerseyrock

Neulich hatten wir einen kleinen Kater-Sonntag – nicht so arg für mich, denn ich bin eine Weggeh-Pussy und werde spätestens um 1:00 Uhr todmüde und gehe heim. Aber unsere Übernachtungsgäste haben es ein wenig wilder getrieben und haben erst im Morgengrauen auf unsere Couch zurück gefunden. Also haben sich die Jungs verkatert im Wohnzimmer mit der Playstation vergnügt, während ich mal meine Stoffe ausgemistet habe. Dabei habe ich ein nicht allzu großes Stück Jersey gefunden, das von einem T-Shirt-Projekt mal übrig geblieben ist. Hmmmm, ab in die Verwurstungsmaschine! Am anderen Ende kommt raus: ein neuer Rock.

DIY Rock Foto 4

Mit allem drum und dran seid ihr auch als Anfänger in 2-3 Stunden fertig. Und wenn ihr euch noch nicht so an die Taschen traut, dann lasst sie weg und es geht noch schneller. Ich persönlich liebe es meine Hände in Taschen zu vergraben, also dürfen sie auch bei Röcken nicht fehlen. Das schöne an dem Rock: er ist nicht nur superschnell genäht, sondern auch noch ziemlich günstig, da ihr gar nicht viel Stoff braucht!

Also, los gehts!

Ihr braucht:

weichen, sanft fallenden Baumwolljersey, Breite ca. 1,40m
Ja es muss Jersey sein, sonst kringelt sich die untere Kante nicht so lustig. Die Länge des Stoffes ist abhängig davon, wie lang ihr den Rock haben wollt. Einfach von der Taille abwärts messen, bis dahin, wo der Rock enden soll. Dazu addiert ihr noch 1cm für den Saum und 4,5cm für den Gummibund.
Beispiel: Ich bin eine *ähäm* kurze Person und möchte dass mein Rock am Oberschenkel endet. Das wären bei mir ca. 46cm. 46 + 1 + 4,5 =51,5cm. Also brauche ich 51,5cm Stofflänge. Sicherheitshalber nehmen wir 3-5 cm mehr, da der Stoff meistens nicht ganz so gerade geschnitten ist und wir ein ganz gerades Stück Stoff brauchen.

etwas Stoff für die Taschen
Ihr könnt entweder knapp 30cm mehr Stoff kaufen, oder einfach einen passenden Stoffrest von ca. 30cm Länge und ca. 75 cm Breite verwenden. Ich habe einfach ein farblich passendes Reststück Futterstoff genommen, das ich noch übrig hatte. Ihr könnt auch einen kontrastierenden Stoff nehmen, das sieht auch hübsch aus, wenn die Tascheneingriffe hervorblitzen.

weiches Gummiband, 3cm breit
Entweder ihr kauft einfach einen Meter am Stück und messt dann daheim nochmal ab, aber dann entstehen immer so viele unbrauchbare Reststücke. Oder ihr geht einfach in die Kurzwarenabteilung und kauft Meterware in genau der Menge die ihr haben wollt. Hierzu einfach das Gummiband so um die Taille legen, wie es euch bequem ist und 1cm mehr kaufen (zum zusammennähen).

Ihr macht:DIY Rock 1

Jersey versäubere ich nur selten, da der eigentlich nie wirklich ausfranst. Außerdem nähe ich die meisten Nähte mit einem Overlock-Stich, da ist die Versäuberung quasi mit dabei.

DIY Rock 2

Als erstes wird der Stoff in der Breite halbiert, sodass ihr dann 2 ca. 70cm breite Stücke habt. Das sind euer Vorder- und Rückteil. An den seitlichen Kanten und am Saum markiert ihr 1cm Nahtzugaben, am oberen Bündchen zeichnet ihr über die gesamte Stoffbreite eine Markierungslinie bei 9cm.

Entlang der seitlichen Nähte markiert ihr die Lage der Taschen: einmal von der oberen Stoffkante 15cm nach unten und dann nochmal eine zweite Markierung in 15cm Abstand von der ersten. Hier bitte einigermaßen präzise arbeiten, sonst passen die Taschenbeutel später nicht aufeinander!

DIY Rock 3

Hier könnt ihr meine Taschenbeutel-Vorlage herunterladen. Einfach unskaliert auf einem A4-Bogen ausdrucken. Zwischen oberer Spitze und Markierung muss der Abstand 15cm betragen. Die Vorlage ausschneiden und auf euren Taschenstoff übertragen. Hierzu den Stoff einmal zusammenlegen (rechte Seite innen). Rundum 1cm Nahtzugabe markieren und ausschneiden. Ihr habt jetzt 4 Beutelteile von denen je zwei zusammenpassen.

DIY Rock 4

Die Taschenmarkierungen auf den Rockteilen übertragt ihr auf die rechte Stoffseite. Dann legt ihr einen Taschenbeutel rechts auf rechts so an die Stoffkante des Rockes, dass die untere Taschenmarkierung auf eurem Stoff genau auf die untere Markierung des Taschenbeutels trifft. Die obere Markierung müsste auf den Schnittpunkt der Nahtzugaben in der Spitze des Taschenbeutels treffen. Ja, ich weiß, klingt komplex… Schaut euch einfach die Skizze unten an. Dann näht ihr entlang der Nahtlinie, aber nur genau zwischen den Markierungen.  Mit allen Beutelteilen an allen Rockseiten genauso wiederholen. Anschließend die Taschenbeutel präzise an der Nahtkante umklappen und bügeln.

DIY Rock 5

Nun legt ihr beide Rockteile rechts auf rechts genau aufeinander. Die Taschenbeutel sind immernoch ausgeklappt. Liegen sie einigermaßen genau an der gleichen Stelle? Ok, dann näht ihr die Taschenbeuten zusammen. Unbedingt darauf achten, dass ihr vom Rockteil nichts mitnäht! Wieder genau von Markierung zu Markierung nähen, diesmal aber um den Beutel rum und den Tascheneingriff auslassen.

DIY Rock 6

Der Rock liegt auf links gedreht vor euch. Nun die Taschen nach Innen wenden und die Nahtzugaben der Rockseiten wieder flach bügeln. Die Seiten zusammennähen, aber die Tascheneingriffe wieder auslassen. Hier bitte bissl präzise arbeiten.

DIY Rock 7

Die obere Kante auf die Markierung klappen und bügeln. In einem Abstand von ca. 3,5cm zur oberen Rockkante im ganz breiten Zickzack-Stich nähen und zum Schluss eine ca. 4cm breite Lücke lassen. Das Gummiband durch zu ziehen ist gar nicht schwer: es klappt am besten, wenn ihr eine Sicherheitsnadel an ein Ende hängt und das Gummiband daran durch den Tunnel schiebt. Prüfen, ob sich das Gummiband nicht verdreht hat. Passt so? Dann die Enden übereinander legen, gut mehrfach drüber nähen, gleichmäßig in den Tunnel ziehen und die Lücke, die ihr gelassen habt, schließen.

So, fast fertig! Nun brauchen wir nur noch den unteren Saum, aber der geht ganz fix: einfach die untere Nahtzugabe umbügeln und mit einem ganz ganz eng eingestellten Zickzack-Stich ganz knapp entlang der Kante nähen. Siehe da: die Kante kräuselt sich lustig! Zum Schluss nur noch die Nahtzugabe knapp entlang der Zickzack-Naht abschneiden und…

fertig!!!!

 

DIY Rock Foto 1 DIY Rock Foto 2

 

Also los jetzt, ab nach draußen, den Rock spazieren führen!

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  8 comments for “DIY – blitzschneller Jerseyrock

  1. 31.05.2015 at 11:17

    “Wenig Stoff” und “einfach” ist relativ. 😉 Ich brauche ja bestimmt schon 30 cm mehr als du. 😉 Ich hätte die Jersey-Hose letzte Woche ja auch fast vor Wut in den Müll geworfen. Der Schnitt war easypeasy, aber ich habe echt ewig gebraucht, um herauszufinden, wie ich es schaffe, damit die Maschine nicht alle zwei Zentimeter den Stoff frisst. (Ungelogen alle zwei, drei Zentimeter! Ich habe kaum eine Naht geschafft, ohne dass die Maschine gestreikt hat!)
    Toller Rock! Der Stoff ist echt schön! (Hab deinen Rest auch schon zum Teil vernäht! :))

    • 31.05.2015 at 11:57

      Auch wenn du 30cm mehr brauchst, sind es dann immernoch nur an die 80 cm. Je nach Jersey bist du damit bei ca. 10€. Ist für ein Kleidungsstück nicht viel.
      Und einfach ist er auch: Du kannst die Taschen weg lassen, dann hast du drei gerade Nähte und den Zickzack-Saum. Einfacher kann man einen Rock nicht nähen. Ich glaube nicht, dass es an deinem handwerklichen Geschick liegt, sondern eher an der Nähmaschine, wenn sie dauernd den Stoff frisst.

      • 03.06.2015 at 13:10

        Jersey ist allerdings nicht der einfachste Stoff zu nähen – für Näh-Anfänger würde ich einen weniger stretchigen Stoff empfehlen, z.B. Sweat oder Webware.

        • 03.06.2015 at 14:31

          Hm, ich wundere mich gerade dass so viele Jersey schwer zu verarbeiten finden. Auch Larissa hat das ja schon gesagt. Ich fand schon immer, dass es – nach simpler Web-Baumwolle natürlich – mit das angenehmste Material in der Verarbeitung ist. Komisch…

  2. 05.06.2015 at 12:12

    Ich finde auch, dass Jersey einfacher zu verarbeiten ist. Ich bin ein eher ungenauer Zuschneider und Jersey verzeiht das sehr viel besser als Baumwolle, weil man es einfach besser noch “zurechtzuppeln” kann und es sich hinterher glattzieht. Ich habe aber auch schon die Erfahrung gemacht, dass es große Unterschiede in den Jerseystoffen gibt und einige sich wirklich schlecht verarbeiten lassen. Das sind dann aber meistens die billigen Stoffe.

  3. 10.06.2015 at 12:45

    Der Rock sieht einfach klasse aus! Sehr schönes Nähprojekt 🙂

  4. 20.07.2015 at 13:36

    Da muss Ariane zustimmen, der Rock sieht klasse aus 🙂 Passt perfekt für den “Sommer”

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